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Unbekanntes Turkmenistan

Turkmenistan – wo liegt das eigentlich und was ist das für ein Land?

Turkmenistan ist die südlichste der ehemaligen Sowjetrepubliken, die 1991 ihre Unabhängigkeit gegenüber Moskau erklärte. 80 % des Landes werden von der Karakumwüste bedeckt. Die Hauptlebensader Turkmenistans ist der Amu Darja Fluss, der im Altertum auch Oxus hieß und im Abendland gemeinhin als das Ende der Welt bekannt war. Der Amu Darja entspringt im Pamirgebirge und endet heute im Aralsee. Durch den Bau des 1100 km langen Karakumkanals, der den größten Teil des Wasserbedarfs des Landes deckt, werden dem Fluss riesige Wassermengen entzogen, was für die ökologische Katastrophe am Aralsee mitverantwortlich ist.


Bild: Karakumkanal

Das Gebiet des heutigen Turkmenistans war mehr als zweitausend Jahre Durchzugs- und Herrschaftsgebiet großer Eroberer. Die Perserkönige Kyros II. und Darius I., Alexander der Große, Dschingis Khan und Timur haben hier ihre Spuren hinterlassen. Relikte der südlichen Seidenstraße sind an vielen Stellen zu finden, denn die Karawanen aus Samarkand und Buchara (Usbekistan), sowie aus Mazar-e Sharif und Herat (Afghanistan) durchquerten Turkmenistan auf ihrem Weg nach Westen. Dabei war die ehemalige Stadt Merw, einst größte Stadt der antiken Welt, ein wichtiger Knotenpunkt der Handelsstraße.


Bild: Karawanenwege

Während unserer ersten Reise entlang der Seidenstraße im Jahr 2002 haben wir Turkmenistan sehr intensiv bereist und darüber berichtet. Dieses Mal interessiert uns besonders, wie sich dieses politisch sehr bizarre Land in den letzten vier Jahren verändert hat, welche Fortschritte inzwischen bei den einzigartigen Ausgrabungen in Gonur gemacht wurden und was es mit den geheimnisvollen Dinosaurierspuren im Grenzgebiet zwischen Usbekistan und Afghanistan auf sich hat.

 

Turkmenbashi – der Große

Überall treffen wir auf das selbe Bild – ob vergoldete Statuen oder riesige Plakate. Es ist das selbstgefällige Grinsen des Präsidenten Saparmurad Nijasow – Turkmenbashi, „Vater aller Turkmenen“, wie sich der Präsident Turkmenistans selbst genannt hat. In einer Blitzkarriere hat er es vom Parteisekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, zum Vorsitzenden der Turkmenischen Demokratischen Partei hin zum Präsidenten auf Lebenszeit geschafft und regiert Turkmenistan heute als Diktator. Der Slogan „Halk, Watan, Tukmenbashi“ - ein Volk, eine Nation, Turkmenbashi – begleiten uns während unserer Fahrt durch das Land immer wieder. Zahlreiche Straßen, Schulen, Plätze und sogar die Stadt Krasnovodsk am kaspischen Meer sowie der Monat Januar wurden nach ihm benannt. Die Weißheiten des Präsidenten sind in seiner Buchreihe Ruhnama nachzulesen und das Staatsfernsehen ist nahezu ausschließlich dem Präsidenten gewidmet. Hier werden im Abstand von sechs Stunden seine Errungenschaften, die oft auf den Bodenschätzen des Landes - Gas und Öl - sowie auf den landwirtschaftlichen Projekten basieren, gezeigt.


Bild: Ruhnama-Studium

Im krassen Gegensatz zum Umland steht die Hauptstadt Ashgabat. Wasserfontänen und Bewässerung haben am Rande der Wüste eine grüne Stadt entstehen lassen. Wir sind erstaunt, wie viele weiter Paläste, luxuriöse, marmorverkleidete Appartement- und Geschäftshäuser, Parkanlagen und vier- bis sechsspurige Straßen in den letzten Jahren entstanden sind – und der Bauboom findet bis heute kein Ende. Turkmenbashis Hobby ist die Stadtplanung. Die Stadt wirkt auf uns sehr aufgeräumt und „stalinistisch“ steril. Die Polizeidichte von drei Beamten an jeder Kreuzung zeigt uns, dass sich seit unserem letzten Besuch die Stimmung deutlich verändert hat - Überwachung überall.


Bild: Ashgabat


Bild: Turkmenbashi in Gold


Bild: Neubauten

 

Hochkultur Margush

60 km nördlich von der Stadt Mary entfernt in der Wüste liegt die Ausgrabungsstätte von Gonur. Neben Ägypten, Mesopotamien, China und Indien gilt Margush / Margiana mit seiner Hauptstadt Gonur inzwischen in der Wissenschaft als fünfte Hochkultur des Altertums - mit völlig neuen Erkenntnissen für unsere Geschichtsschreibung. Seit über dreißig Jahren ist der Archäologe Professor Wiktor Sarianidi in Gonur aktiv. Seine Funde werden auf 2500 v. Chr. datiert. Feuertempel, eine Zitadelle, Wohnhäuser, Werkstätten mit Brennöfen, Gräber, Wasserleitungen, Wasseraufbereitung und vieles mehr wurden freigelegt. Wir sind erstaunt, was hier in den letzten vier Jahren an weiteren Ausgrabungen stattgefunden hat. Vor Ort lernen wir den 76 jährigen Professor persönlich kennen und werden nahtlos in sein wissenschaftliches Team integriert. In der Mittagspause wird im Schatten gedöst und bei Schaschlik und Wodka ein Toast nach dem anderen auf die vielen Ausgrabungen und das Endes des zweiten Weltkrieges ausgesprochen. Immerhin sind wir an diesem historischen Jahrestag im Camp eingetroffen. Eine abendliche Führung durch Sarianidis Lebenswerk ist Ehrensache.


Bild: Gonur


Bild: Ausgrabungsplanung


Bild: Antike Schätze

 

Auf den Spuren der Dinosaurier im Kugitang-Nationalpark

Wir müssen eine lange Fahrt entlang des Amu Darja mit schlechten Straßenverhältnissen vielen Kontrollen und Temperaturen um 40°C über uns ergehen lassen, bis wir den entlegenen Kugitang-Nationalpark im Äußersten Südosten Turkmenistans an der Grenze zu Usbekistan und Afghanistan erreichen. Steile Bergwände, tiefe Schluchten und grüne Täler erwarten uns. Die Gipfel der Berge sind noch schneebedeckt. So auch der Ayribaba, der mit 3139 Metern höchste Berg Turkmenistans.


Bild: Nationalpark

Die Attraktion in diesem Nationalpark ist ein Plateau, auf dem sich mehrere hundert versteinerte Fußabdrücke von Dinosauriern befinden. Erst 1980 wurden diese Spuren von einer Expedition näher untersucht. Die 70 bis 80 cm langen Spuren sind Abdrücke einer fünf bis zehn Tonnen schweren fleischfressenden Echse.


Bild: Saurierspuren


Bild: Auf großem Fuß

Eine Wander- und Klettertour führt uns in eine der vielen Tropfsteinhöhlen in dieser Region. Mit Stirnlampen ausgestattet lassen wir uns von einem Guide vor Ort durch die stockfinstere Höhle führen.


Bild. Höhle

 

Sag bol (Auf Wiedersehen) Turkmenistan

Dass Reisen in Turkmenistan nicht unkompliziert ist, hatten wir schon 2002 erfahren, doch vier Jahre später erleben wir noch mehr Kontrollen, Registrierungen und Überwachungen, bis hin zur Blockierung unserer e-mails. Reisen in diesem Land an der Seidenstraße ist nicht einfacher geworden! Und so haben wir oft das Gefühl, dass man als Fremder im offiziellen Turkmenistan nicht gern gesehen ist.
Aber ganz im Gegensatz zu den administrativen Schwierigkeiten und Schikanen, steht die Gastfreundschaft, Offenheit und Herzlichkeit der Menschen!

Für uns stellt sich die Frage der „Nach-Turkmenbashi-Zeit.“. Das ganze Land schöpft im Moment seine politische und administrative Identität aus einer Person, deren Handeln mit unseren Wertebildern nur schwer zu verstehen ist. Von Demokratie keine Spur, aber ein guter Freund der weltweit Mächtigen in Politik und Wirtschaft.


Bild: Foto unerwuenscht