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Auf den Spuren Alexander               des Großen (Juni 2006)

 Als wir Ende Mai bei einer Temperatur von 35 °C aus Samarkand aufbrechen, rechnen wir nicht damit, dass wir schon bald wieder frieren werden und die dicken Daunenschlafsäcke auspacken müssen. Wir haben Tadschikistan erreicht - ein schwer zugängliches, überwiegend unbewaldetes schroffes aber einzigartiges Gebirgsland. Gleich hinter der usbekisch-tadschikischen Grenze erreichen wir den kleinen Ort Pendschikent. Ein ärmlicher, vom russischen Sozialismus gezeichneter Ort, wenn man noch die Bilder von Buchara und Samarkand im Kopf hat. Doch diese Armut im Land hat eine sehr junge Vergangenheit. Nach der Unabhängigkeitserklärung Tadschikistans von der Sowjetunion im Jahr 1991 brach ein verheerender Bürgerkrieg aus, der bis 1997 andauerte und 60.000 Menschenleben forderte und über eine halbe Millionen Flüchtlinge zur Folge hatte. Auf Grund der großen wirtschaftlichen Probleme ist Tadschikistan heute auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen und so sehen wir zunehmend immer mehr Autos diverser Hilfsorganisationen.
Unser erstes Ziel ist das Fan-Gebirge, kurz hinter der Grenze. Eine Schotterstraße führt uns von Pendschikent 40 km zu den „Sieben Seen“, wo wir in 2000 Metern am sechsten dieser natürlich aufgestauten Seen unser Camp aufschlagen. Die über 5000 Meter hohen Berge sind zum Greifen nah. Einige kurze Trekkingtouren sind für uns Pflichtprogramm, denn wir wollen uns langsam an die großen Höhen gewöhnen, bevor wir die Pamir-Region mit Passstraßen über 4000 Metern erreichen.


Bild: Zu den Sieben Seen


Bild: Traumhafte Berglandschaften

Immer wieder kommen Einwohner der nahegelegenen Bergdörfer an unserem Camp vorbei – häufig mit ihren Lasteneseln, die in dieser Region lebensnotwendig sind und als Autoersatz gelten. Gerne würden wir uns mit ihnen unterhalten aber leider ist die Verständigung nur auf tadschikisch (Farsi) möglich und mit den wenigen Brocken, die wir inzwischen gelernt haben, kommen wir dabei nicht sehr weit. Trotzdem werden wir immer herzlich begrüßt, man freut sich, das Besucher aus Deutschland diesen langen Weg in ihr Land auf sich genommen haben. Jeden Morgen steht ein Junge mit einer Schüssel selbstgemachtem Joghurt vor unserem Zelt und aus der einen oder anderen Satteltasche seines Esels wird ein frisches Brot als Geschenk für uns hervorgezaubert.

 

Bild: Camp
Bild: Besuch
Bild: Joghurt-Junge
Bild: Nachbarn

Eine Dreitagesetappe wäre zu Fuß über die Berge nötig gewesen, um an unser nächstes Ziel - den Alexandersee - zu kommen. Doch mit dem Auto müssen wir auf die Hauptstraßen A377 und später auf die M34 zurück, die als rot eingezeichnete Straßen auf unserer Landkarte einen guten Zustand suggerieren. Was uns erwartet, ist eine Gebirgsstraße durch das enge Zeravshan Tal und entlang der Fan River Schlucht mit wenig bis stellenweise keinem Asphalt, Schlaglöchern und riesigen Bodenwellen. Verkehrszeichen, die auf gefährliche Kurven und die Steinschlaggefahr hinweisen, erscheinen uns bei den vielen auf der Straße liegenden Steinen und Murenabgängen am Straßenrand fast grotesk. Doch Arbeiter räumen mit ihren Bulldozern diese Hindernisse so schnell wie möglich beiseite. Das alles hat zur Folge, dass wir für gerade mal 120 km fünf Stunden brauchen. Doch die grandiose Natur am Alexandersee und ein toller Platz zum Campen direkt am See, lässt uns die strapaziöse Fahrt schnell vergessen. Das hat sich sicher auch Alexander der Große vor fast 2500 Jahren gesagt, als er an der gleichen Stelle mit seiner Armee ein Camp errichtete, bevor er weiter nach Samarkand zog, um diese Stadt einzunehmen.

Bild: Hauptstraße
Bild: Alexandersee
Bild: Gigantische Berge
Bild: Frühstück


Schweren Herzens nehmen wir Abschied von hier und fahren weiter nach Dushanbe, der Hauptstadt Tadschikistans. Doch so einfach ist das mal wieder nicht, denn der 3374 Meter hohe Anzob-Pass, der erst seit einigen Tagen offen ist, muss passiert werden. Schlechtes Wetter, rutschige Straßen und Autowracks auf Gerölllawinen geben uns schon einmal einen Vorgeschmack, was uns auf den Pässen in der Pamir-Region erwarten wird.


Bild: Schwieriger Pass


Bild: Autowrack

Wie so oft in Hauptstädten, müssen wir hier den nächsten Teil unserer Reise vorbereiten. Das heißt für uns viel Bürokratie, starke Nerven und viele hundert US Dollars Verwaltungsgebühr. Die sogenannte OVIR-Registrierung, ein Überbleibsel der Sowjetzeit, die Visaverlängerungen für Tadschikistan, die (GBAO-) Sondergenehmigung für die autonome Grenzregion im Pamir sowie die Einfuhrgenehmigung für unser Auto nach Afghanistan stehen an. Wie heißt es so schön: „No paper, no journey“. Nach einigen nervenaufreibenden Tagen halten wir erleichtert alle Papiere in unseren Händen. In der deutschen Botschaft holen wir noch unsere zweiten Reisepässe mit den Visa für Pakistan und Indien ab, die über die Diplomatenpost des auswärtigen Amtes nach Dushanbe geschickt wurden. Mit dem deutschen Konsul führen wir ein intensives Gespräch über unsere Reiseroute sowie die aktuelle Sicherheitslage und hinterlassen wichtige Informationen für den Notfall.
Überhaupt nutzen wir jede Gelegenheit, um uns über die aktuelle Situation in Afghanistan zu informieren und sprechen mit Angehörigen der Hilfsorganisationen, Touristen die gerade aus Afghanistan kommen und einem sehr netten Mitarbeiter der afghanischen Botschaft, der fünf Jahre mit seiner Familie in Deutschland gelebt hat. Für uns ergibt sich inzwischen ein sehr differenziertes Bild über die Sicherheit in den einzelnen Regionen, die unsere Weiterreise nach Afghanistan möglich erscheinen lässt. Wir bleiben hier am Ball ... ebenso wie bei der FIFA WM, die wir über unser Kurzwellradio verfolgen werden.

Auf den nächsten Reiseabschnitten rechnen wir mit sehr schlechten Internetmöglichkeiten, so dass sich die Abstände zwischen unseren Berichten etwas verlängern werden. Hierfür bitten wir schon jetzt um Verständnis.